Kinderhospiz Löwenherz

Neubau eines Kinderhospizes in Syke

Die Initiative zur Errichtung des Kinderhospizes Löwenherz hat im Jahre 2000 neun Architekturbüros eingeladen, sich an einem beschränkten Wettbewerb zum Entwurf eines Neubau auf einem an einem Wald angrenzenden Grundstückes etwas außerhalb von Syke (bei Bremen) mit zu beteiligen. Mit der Idee ein Gebäude zu entwickeln, in dem man die Kraft des Löwen spürt haben wir die Initiative überzeugen können. Hier ein Auszug aus dem Entwurfskonzept.

Die Idee
Es ist ein Löwe, der mit jugendlicher, fast unbremsbarer Kraft aus dem Wald gestürmt und auf der Wiese mit ausgestreckten Armen am Wegeskreuz zum Halten kommt. Durch den Schwung vergraben sich seine Arme und verkeilen sich seine Beine an diesem Fleckchen Erde, verwurzeln sich. Seine Arme bedeuten Schutz und die offene Geste heißt „Willkommen“. Es ist sein „Herz“ in der Mitte , welches alles zentriert, zusammenführt und damit Kraft gibt und Geborgenheit verleiht. Im Schutz des „Löwen“ werden drei Außenbereiche gebildet Der Kopf ruht majestätisch über allem, hat alles schützend im Blick – den Wald, das Land und die Stadt …und seine Schützlinge unter seinen Fittichen. ..

Das Ankommen

Keine mondäne Geste, aber ein Empfang mit genügend Luft zum Durchatmen, Warmwerden, Orientieren, Ankommen . Von hier aus erkennt man die Gebäudestruktur und die 3 Außenraumbezüge, die das Gebäude hat und die von unterschiedlicher Qualität sind.
Dieser Bereich ist von 3 Himmelsrichtungen lichtdurchflutet.
Es ist ein Treffpunkt mit einer kleinen Kaminecke am Rande. Feuer als wärmendes Symbol, für all die, die hier zur Ruhe kommen wollen.

Das Loslassen
Während des Aufenthaltes müssen die Eltern einen Ablöseprozeß in der Betreuung und Versorgung ihres Kindes durchleben, bevor sie das Angebot der Hospizeinrichtung als Entlastung empfinden können und keine „schlechtes“ Gewissen haben, mal was für sich zu tun. Zum einen hat dies viel mit Vertrauen in das Personal zu tun, zum anderen sind sensible Stufen der Trennung, auch räumlichen und akustischen Trennung notwendig.

Eine Elternschlafmöglichkeit wird im Kinderbereich mit vorgesehen. Grundsätzlich sind die Eltern im Obergeschoß untergebracht, von wo sie einen sehr guten Überblick zu allen Außenräumen haben können. Ein Gemeinschaftsraum eigener Qualität befindet sich in der Mitte des Elternbereiches, so daß sich die Eitern auch untereinander z. B. bei einem Glas Wein austauschen können und sich dennoch in Rufnähe zum Kind aufhalten. Eine externe Erschließung über Außentreppen ist in einer späteren Ausbauphase denkbar, so daß die Eltern unabhängig vom Haupteingang „unkontrolliert“ das Gebäude für einen Spaziergang verlassen und betreten können. Ansonsten erfolgt die Erschließung des Elternbereiches über ein vom Haupteingang abgeschirmtes und dem Kindertrakt vorgelagertes Treppenhaus .

Als Rückzugsbereich stehen für jedes Familie die Appartments zur Verfügung. Zusätzlich bietet der „Raum der Stille“ am Waldesrand als losgelöste „Waldhütte“ Möglichkeiten, einmal ganz für sich zu sein.

Das Abschiednehmen
Das ist der Moment, an dem die Eltern realisieren und akzeptieren, daß das Ende gekommen und da ist. Die Zeit wird still, man kommt zur Ruhe, Erinnerungen werden wachgerufen …
Das Abschiedszimmer ist ein besonderer Ort, etwas ab vom Trubel, aber zum Haus gehörig. Ein Raum zwischen Leben und Tod. Licht, Zuschnitt und Farbigkeit sollten diesem Zimmer eine besondere Qualität verleihen, keine Kapelle, sondern einfach ein schöner Raum.

Die Form
EntwurfskizzeDie gewählte Grundform ist den Gesetzen des Dreiecks unterworfen und steht für die Trinität von Geist, Körper und Seele- Themen, die das Tagesgeschehen im Hospiz bestimmen . Aus diesem Grunde werden Elemente von Luft, Wasser, Erde und Feuer in die Gebäudekonzeption mit einbezogen. Damit erhöht sich der haptische Erfahrungswert im Umgang mit dem Gebäude.

Der Baukörper teilt sich im Erdgeschoß in 3 Bereiche – 2 verkürzten Seitenarmen und einem langgestreckten rumpfähnlichen Bauteil. Diese 3 Bereiche sind schwerpunktmäßig dem Therapiebereich, dem Gemeinschafts- und Küchenbereich sowie dem Kinderbereich zugeordnet. Schwimmbecken, Gemeinschafts- und Spielraum sowie die Kinderbereiche liegen in einer „Bewegungskurve“ und sind über den Außenraum durch Sichtkontakt miteinander verbunden.

Die abgerundeten Gebäudekonturen passen sich organisch in das Landschaftsbild ein.

Im Obergeschoß befindet sich der Elternbereich. In der Mitte des Elterntraktes befindet sich ein Gemeinschaftsraum mit einer Glaspyramide, die den Blick zu den Sternen zuläßt

Zur Eingangsseite hin orientieren sich die eher öffentlicheren Nutzungen und zum Wald hin die Rückzugsbereiche.

Mehr als nur Flure
Keine reinen Verkehrsflächen, sondern Verzahnungen mit den angrenzenden Nutzungen durch Vor- und Rücksprünge mit Aufenthaltsqualität. Eine natürliche Belichtung ist über Innenhöfe und Glasfronten am Ende der Flure gewährleistet. Im Kinderbereich sind zusätzliche Oberlichter geplant.

Die Außenanlagen
Der Außenbereich gliedert sich in 3 Bereiche.

– Zum Eingang hin der Versorgungsbereich mit den notwendigen 16 Einstellplätzen Anlieferung für die Küche und den Pflegebereich, aber auch für die An- und Abfahrt der Bestattungsfahrzeuge. Hier wird ein Brunnen installiert mit Trinkwasser als Begrüßungsgeste und Energiespender.
– Zum Waldesrand hin der Spielbereich mit Terrasse angrenzend an den Gemeinschaftsraum mit Möglichkeit zum Speisen und gemeinschaftlichen Spielaktionen.
– Zum Streichelzoo eine etwas ruhigere Zone mit Blick auf den Zoo und deren Besucher und den Ausläufern von Syke mit einer Bepflanzung durch Sträucher und Stauden an den Hausrändern um die vorgelagerten Terrassen zu schützen.
Im übrigen sind für alle Kinderzimmer vorgelagerte Terrassen vorgesehen.

Für jedes gestorbene Kind wird als Erinnerung ein Baum gepflanzt. Auf diese Weise verbindet sich der Außenbereich mit den Inhalten des Hospizes und der angrenzenden Waldlandschaft – wird ein Teil des vorhandenen Ortes.

Die Bauweise

– ökologischer Holzrahmenbau mit vorgehängter Boden-Deckelschalung farbig lasiert alternativ Putzträgerplatte je nach Fassadenbild
– massiver Kalksandstein-lnnenausbau verputzt
– Betongeschoßdecke
– Flachdachkonstruktion wahlweise als Grasdach mit extensiver Begrünung auf den eingeschossigen Bauteilen
– sichtbare Leimbinderkonstruktionen
– Statik der Dachsparren für Aufnahme von Sonnenkollektoren ausgelegt
– kombinierte Fußboden- und Wandheizung, Heizung und Warmwasser unterstützt durch Solarkollektoren